Hier werden laufend interessante Themen, die in Vorträgen oder Aussendungen des Clubs zur Sprache kommen veröffentlicht, so z.B.
KALTWASSERTAUGLICHKEIT VON LUNGENAUTOMATEN UND VEREISUNG

Vortrag von Kurt Moser anlässlich des Taucherstammtisch vom 03.04.02
Zusammenfassung:
Das Thema Kaltwassertauglichkeit und Vereisung stellen ein
zentrales Thema beim Tauchen in unseren heimischen Gewässern dar. Hier seien
kurz die Faktoren beschrieben, die die Vereisung eines Lungenautomaten
verursachen/beeinflussen können und einige Tipps wie man dieser Gefahr
vorbeugen kann. Viele der Hinweise werden immer wieder bei Kursen gegeben,
können aber - so zeigt leider die Praxis - nicht oft genug wiederholt werden.
Funktion
des Lungenautomaten (1-Schlauch/2-Stufen-Automat)
Aufgabe der ersten Stufe: Reduzierung des Hochdruckes auf den
Mittel- oder Arbeitsdruck (ca. 10 bar über Außen)
Aufgabe der zweiten Stufe: Reduzierung (Dosierung) des
Mitteldruckes auf den Außendruck
(Umgebungsdruck)Schwachpunkte für die Vereisungsanfälligkeit
sind die Orte der Gasexpansion in der ersten und zweiten Stufe (Kühlschrankprinzip);
Temperaturstürze (fallweise bis 50 Grad C nach unten!)
Faktoren die eine Vereisung begünstigen:
Handling-Tipps:
Bauarten von Lungenautomaten
Man hört immer wieder die Ausdrücke „kolben- oder
membrangesteuert“ bzw. „balanciert" keiner dieser Ausdrücke ist ein
Garant für wirkliche Kaltwassertauglichkeit.
Im Zweifelsfall hinterfrage den
Händler genau nach den Konstruktionsmerkmalen die den jeweiligen Automaten
kaltwassertauglich machen sollen. Einzig der Hinweis darauf der Automat sei z.B.
"membrangesteuert" heißt noch lange nicht dass er im kalten Wasser
auch wirklich verlässlich ist.
Bei Verwendung von verschiedenen Automaten und
Octopus-Systemen achte auf die Mitteldrück-Werte; diese müssen gleich sein.
(Achtung bei Marken-Mix!)
verschiedene Konstruktionsprinzipien zur Erlangung der
Kaltwassertauglichkeit:
„Membransteuerung“ - Diese schottet den Automaten in der
Regel hermetisch nach außen ab und ist so ein guter Schritt in Richtung
Kaltwassertauglichkeit.
"Kaltwasseraufsätze" ersetzen (wenn nachträglich angebracht) oder
verbessern Membranabschottungen unter Umständen erheblich.Der Einsatz großer Metallkörper zur Wärmetauschung (z.B.
Poseidon Cyclon-Metall, Abyss, Mark II, Divex) oder das Dry-Bleeding-System (=Membransteuerung im übertragenen Sinne von
Sherwood), sowie der Einsatz von Wärmeleitblechen erhöhen in der Regel die
Kaltwassertauglichkeit.
Der Venturi-Effekt
Was ist der Venturi-Effekt? Der Venturi-Effekt entsteht z.B. wenn ein Gas schnell an einer Membran vorbeiströmt und es dadurch zu einer Sogwirkung auf die Membrane kommt.Wozu wird er in Lungenautomaten genutzt? Durch die an der Hauptmembrane der 2. Stufe vorbeigeführte Luft übt auf diese eine Sogwirkung aus und unterstützt dadurch das Ansaugen der Membrane beim Einatmen. Dies führt zu geringeren Einatemwiderständen die als komfortabel empfunden werden.
Wie lange ist er kontrolliert? Er ist so lange kontrolliert, solange die Membrane nach dem Einatmen wieder in ihre Ausgangslage zurückkehrt und die 2. Stufe damit ruhiggestellt ist.
Wie äußert sich der unkontrollierte Venturi-Effekt? Wenn die 2. Stufe zu leicht eingestellt ist, kann es passieren dass der Luftstrom die Membrane so fest aus der Ruheposition wegzieht dass sie nicht mehr ein die Ruheposition zurückkehrt und so die zweite Stufe abzublasen beginnt.
Was sind die möglichen Folgen des unkontrollierten Venturi-Effektes? In leichten Fällen kann durch Klopfen auf die Öffnung des Mundstückes, bloßes in-den-Mund-nehmen des Automaten oder dergleichen das Abströmen unterbrochen werden. Es kann aber auch passieren dass sich der Luftstrom erst dann wieder unter Kontrolle bringen lässt wenn man das Flaschenventil abdreht; in einzelnen Fällen bringt auch das Abknicken des Mitteldruck-Schlauches den gewünschten Erfolg. Es wird einleuchten dass ein unkontrollierter Venturi-Effekt und damit das nicht mehr zu bremsende Abblasen der 2. Stufe unter Wasser ein geradezu "hervorragender" Auslöser für eine Vereisung der 2. Stufe darstellt.
Wie beuge ich dem unkontrolliertem Venturi-Effekt vor? Aus dem Vorgenannte ergibt sich dass man bei Kaltwassertauchgängen unter Umständen einen etwas größeren Einatemwiderstand in Kauf nehmen sollte um dem unkontrollierten Venturi-Effekt vorzubeugen. Die kann z.B. durch eine generell etwas härtere Einstellung des Atemwiderstandes und/oder durch die Umleitung des Luftstromes mittels entsprechender Venturi-Klappen (auch oft mit "+/-" Klappe bezeichnet) erreicht werden. Also den Automaten für Kaltwassertauchgänge etwas strenger einstellen und die Klappe auf "-" stellen.
weitere Kommentare aus dem Web:
Das Vereisen von Atemreglern ist beim Tauchen in unseren Breiten ein heiß diskutiertes und auch ernst zu nehmendes
Thema. Wenn der Atemregler nach Beendigung des Einatemvorgangs die Luftzufuhr nicht mehr unterbricht
sprechen wir von Vereisung. Auch wenn es die Werbung
verspricht - einen 100%-ig vereisungssicheren Lungenautomaten gibt es nicht. Denn nicht nur die Technik ist
maßgebend für Vereisungssicherheit, sondern auch unser korrekter Umgang
mit ihr. Physikalische
Grundlagen der Vereisung: Grundsätzlich gilt es,
folgende physikalische Grundlage zu beachten:
Der Joule-Thomson-Effekt tritt
auf, wenn ein Gas oder Gasgemisch bei Druckänderung eine Temperaturänderung
erfährt. Wenn man zum Beispiel Luft stark verdichtet, dann erwärmt sie
sich. Umgekehrt kühlt sie sich bei Ausdehnung ab.
Arten der Vereisung
Je nach dem Ort der Vereisung
unterscheidet man zwischen äußerer und innerer Vereisung.
Innere Vereisung
Die innere Vereisung tritt am
Sinterfilter der ersten Stufe oder am Hochdruckkolben direkt auf.
Voraussetzung dafür ist Feuchtigkeit in der Flasche oder unachtsamer Umgang
mit der 1. Stufe, so dass Wasser eingedrungen ist (Spülen nach dem Tauchen
ohne Verschlusskappe auf der 1. Stufe).Durch die Abkühlung am Ventil
kondensiert Feuchtigkeit in der Druckluft beim Durchströmen des Ventils.
Die durch die niedrige Temperatur entstehenden Eiskristalle verhindern ein
vollständiges Schließen des Hochdruckkolbens - Der Automat bläst ab. Falls sich Kristalle am
Sinterfilter der 1. Stufe bilden, verstopfen sie diesen und der Luftstrom
bricht ab. Dies passiert jedoch äußerst selten, da dafür schon eine größere
Menge Feuchtigkeit in der Pressluftflasche erforderlich ist, was von einem
seeeehr nachlässigen Umgang mit seinem Equipment zeugt.
Äußere Vereisung
Hiervon sind besonders
kolbengesteuerte 1. Stufen betroffen. Membrangesteuerte Automaten sind weit
weniger empfindlich, da die Membrane eine isolierende Wirkung hat und rein
mechanisch gesehen, in ihrer Bewegung nicht so leicht gehemmt werden kann,
wenn sich Eiskristalle bilden. Bei der äußeren Vereisung wird durch die
Abkühlung das Wasser in der Wasserkammer gefrieren und den Kolben bzw. das
Ventil blockieren. Diese Blockierung erfolgt nur während der
Einatemphase (nur dabei wird Wärme entzogen) und der Automat bläst
ab.
Vereisung der zweiten Stufe
Auch in der zweiten Stufe kann es zur Vereisung
kommen. Allerdings ist hier das Druckgefälle relativ gering, sodass auch
die Gefahr der Vereisung relativ gering ist. Trotzdem ist eine Vereisung der zweiten Stufe
denkbar, da sich die kalte Luft aus der ersten Stufe auf dem Weg zur
zweiten Stufe nicht erwärmt. Auch hier bläst der Automat dann ab - er
bringt also weiterhin Luft.
Was ist bei Vereisung
zu tun ?
Stelle dich innerlich beim Tauchen auf mögliche
Vereisungssituationen ein, um im Ernstfall richtig reagieren zu können.
Übe diese Fertigkeiten regelmäßig, so daß sie "in Fleisch und Blut" übergehen. Bei regelmäßiger Übung und sicherer Handhabung wird kein gefährlicher Stress aufkommen und die Situation ist im Nu bereinigt.
Wenn es mal passieren sollte, dann ist folgendes zu tun:
Wenn der Atemregler abbläst, kann man weiteratmen, indem man den
Regler mit einer Hand festhält und das Mundstück nur noch halb im geöffneten
Mund an einer Beißwarze hält. Die überschüssige Luft kann dann
seitlich entweichen. Den Kopf sollte man dabei seitlich neigen, damit die
Luft sich nicht unterhalb der Maske fängt und diese dann vom Gesicht reißt
und flutet (Lernt man im Grundkurs). Noch besser wäre es, du hast zwei
getrennte Systeme ( zwei erste Stufen), denn dann brauchst du nur zu
deinem Oktopus greifen und weiteratmen.
Danach zeigst du deinem
Tauchpartner dein Problem an. Der Buddy dreht die Flasche zu und du atmest
aus deinem (idealerweise) zweiten, komplett getrennten System weiter. Falls
dein Buddy dir nicht helfen kann, kannst du dir das Ventil auch selber
zudrehen. Falls du durch nach hinten greifen nicht herankommst, dann kannst
du auch das
Jacket öffnen und versuchen, so an das Ventil heranzukommen. Alle genannten Techniken
werden z.B. im Rescue Kurs geschult. Man kann aber auch ein
sogenanntes Freeflow-Control-Device einbauen und damit kann man auf sehr
einfache Art und Weise den abblasenden Automaten abstellen, ohne lange das
Ventil suchen zu müssen. Ist das Ventil geschlossen, ist
bereits nach wenigen Minuten die Vereisung wieder verschwunden und du kannst
nach dem Aufdrehen wieder aus deinem Hauptautomaten atmen.
Abhilfe gegen Vereisung
Technische Möglichkeiten:
Die Hersteller haben sich die
verschiedensten System ausgedacht um der Vereisungsproblematik
entgegenzuwirken. So gibt es zum Beispiel Systeme, bei der eine Gummikappe
die Wasserkammer verschließt. Der Verschluss muss aber gewährleisten, dass
der Umgebungsdruck weiterhin auf den Kolben oder die Membran wirken kann (APEKS).Eine andere Möglichkeit besteht
darin, vom Mitteldruck dauernd etwas Luft in die Wasserkammer strömen zu
lassen. Da das Wasser in der Kammer dadurch ständig verwirbelt wird, bilden
sich Eiskristalle nicht so leicht (Beispiel: Ein See friert leichter zu als
ein Fluss). Die überschüssige Luft wird dann nach draußen abgegeben
(SHERWOOD).
Grundsätzlich ist zu sagen, dass
eine massive, große (und damit schwere) 1. Stufe immer besser ist als die
in der Werbung angepriesenen Leichtgewichte. Je massiger die 1. Stufe ist,
desto größer ist die Oberfläche, die mit dem Wasser in Kontakt ist. Da
das Wasser wärmer ist als das gasexpandierende Innenleben der 1. Stufe,
kann so die Kälte, die sich im Inneren des Automaten bildet, leichter abgeführt
werden.Zusätzlich kann man für seine
Tauchflasche auch Mikrofilter (AIRCON, NAUTEC) verwenden. Diese Filter
halten noch vor dem Flaschenventil Feuchtigkeit und Rostpartikel zurück und
schützen so besser die 1. Stufe. Die kann nämlich auch abblasen, wenn sich
Rostpartikel aus der Flasche am Hochdruckkolben anlagern und dieser somit
nicht mehr korrekt schließt.
Bei Vereisungsgefahr immer mit zwei komplett getrennten Systemen tauchen !
Richtiges Verhalten vor und beim Tauchen in kalten Gewässern
Alle diese Faktoren können (müssen aber nicht unbedingt) die Vereisungsgefahr beeinflussen und es gibt möglicherweise auch noch weitere hier nicht genannte Faktoren. Für positive Kritik, Hinweise zur Berichtigung und Bereicherung sind wir immer dankbar.